Carcharias acutissimus

Ordnung: Lamniformes Berg, 1937     Makrelenhaiartige

Familie: Odontaspididae  Müller & Henle, 1839

Gattung:  Carcharias Rafinesque, 1810

Typusart :  Carcharias taurus  Rafinesque, 1810

Carcharias taurus Rafinesque, 1810, Sandtigerhai, UShaka Sea World, Foto: Amada44
Carcharias taurus Rafinesque, 1810, Tafel 2, © in: BASS, A.J., D’AUBREY, J.D. & KISTNASAMY, N. (1975) Sharks of the east coast of Southern Africa. IV. The families Odontaspididae, Scapanorhynchidae, Isuridae, Cetorhinidae, Alopiidae, Orectolobidae and Rhiniodontidae. Investigational Report Oceanographic Research Institute, 39: 1–102
Carcharias taurus Rafinesque, 1810, 335 cm Gesamtlänge, Philippinen, Sammlung: Jaws International, Gordon Hubbell, Florida © Ross Robertson, Smithsonian Tropical Research Institute, Panama
Carcharias taurus Rafinesque, 1810, Unterkiefer, 335 cm Gesamtlänge, Philippinen, Sammlung: Jaws International, Gordon Hubbell, Florida © Ross Robertson, Smithsonian Tropical Research Institute, Panama
Carcharias taurus Rafinesque, 1810, Oberkiefer, 335 cm Gesamtlänge, Philippinen, Sammlung: Jaws International, Gordon Hubbell, Florida © Ross Robertson, Smithsonian Tropical Research Institute, Panama

Carcharias acutissimus (Agassiz, 1843)

Exkurs: acutissima oder acutissimus, welcher Artname ist gültig?

Agassiz wählte bei der Erstbeschreibung den Artnamen „acutissima“ (lateinisch acutus = spitz, scharf) und stellte die neue Art zur Gattung Lamna. Bei Artbeschreibungen richtet sich die Endung des Artnamen nach Artikel 31 des ICZN (= International Code of Zoological Nomenclature).
Da es sich bei dem Artnamen „acutissima“ um ein lateinisches Adjektiv im Nominativ Singular handelt, müssen das Geschlecht des Artnamens und des Gattungsnamens übereinstimmen (Art. 31.2 ICZN). Der ursprüngliche Gattungsname Lamna und der Artname „acutissima“ sind beide feminin. Nachdem die Art heute zur Gattung Carcharias gestellt wird, dieser Gattungsname aber maskulin ist, muss die Endung des Artnamens angepasst werden und lautet richtigerweise acutissimus.

Syntypen: verschollen (?)

Taxonomische Situation: Die von Agassiz (1843) abgebildeten Syntypen der Art „acutissima“ (Fig. 33 und 34), zwei Zähne aus lateroposterioren Positionen des Unterkiefers, unterscheiden sich morphologisch deutlich von entsprechenden Zähnen der üblicherweise in der Molasse als Carcharias acutissimus identifizierten Art (z.B. Barthelt et al. 1991, Scholz & Bienerth 1992, Pollerspöck & Beaury 2014, Sach 2016). Die Form der Krone der Syntypen zeigt hingegen eine größere Übereinstimmung mit den lateroposterioren Unterkieferzähnen der ebenfalls in der Molasse vorkommenden odontaspididen Art Carcharoides catticus (Philippi, 1846) (z.B. Reinecke et al. 2018, fig. 17A, B), unterscheidet sich von diesen aber durch eine kräftige, parallel verlaufende Streifung auf der lingualen Kronenseite (Fig. 33a). Probst (1879) stellt die Art „acutissima“  zu Carcharias contortidens (Agassiz, 1843) und beschreibt eine weitere, morphologisch sehr ähnliche, jedoch deutlich kleinere Art als Lamna (Odontaspis) reticulata  Probst 1879 . Beide Arten wurden später von zahlreichen Autoren mit „acutissima“ synonymisiert (z.B.: Barthelt et al. 1991, Cappetta 1970, Schultz 1968). Bis zu einer Revision der odontaspididen Arten der Molasse, wird der Name „acutissima“ hier weiter verwendet.

Typlokalität und Stratum typicumunbekannt (Figur 33) bzw. Molasse von Berthoud/Schweiz (Figur 34)

Synonyme: Carcharias (Odontaspis) acutissima (Agassiz, 1843), Carcharias (Synodontaspis) acutissima (Agassiz, 1843), Eugomphodus acutissima (Agassiz, 1843), Lamna acutissima Agassiz, 1843, Lamna (Odontaspis) acutissima Agassiz, 1843, Odontaspis acutissima (Agassiz,  1843), Odontaspis contortidens acutissima (Agassiz, 1843), Odontaspis (Synodontaspis) acutissima (Agassiz, 1843), Odontaspis (Synodontaspis) acutissima acutissima (Agassiz, 1843), Synodontaspis acutissima (Agassiz, 1843), Carcharias contortidens (Agassiz, 1843), Lamna contortidens Agassiz, 1843, Lamna (Odontaspis) contortidens Agassiz, 1843, Odontaspis contortidens (Agassiz, 1843), Carcharias dubia (Agassiz, 1843), Lamna dubia Agassiz, 1843, Lamna (Odontaspis) dubia Agassiz, 1843, Odontaspis dubia (Agassiz, 1843), Lamna lepida Gervais, 1852, Odontaspis mourloni Winkler, 1880, Carcharias sauvagei (Locard, 1878), Lamna (Odontaspis) sauvagei Locard, 1878, Carcharias sulcata Gunnell, 1933, Carcharias undulata (Sismonda, 1849), Lamna undulata Sismonda, 1849

Text der Erstbeschreibung Agassiz, 1843 Seite 294

Lamna (Odontaspis) acutissima, Tafel 37a, Fig. 33 und 34

Text der Erstbeschreibung von Lamna (Odontaspis) contortidens Agassiz, 1843 Seite 294-295

Lamna (Odontaspis) contortidens, Tafel 37a, Fig. 17 und 23

Größe: h: – 35 mm

Beschreibung: Die anterioren Zähne des Unterkiefers können bei erwachsenen Tieren bis zu ca. 30 mm hoch werden. Die hoch aufgeschossene, recht schlanke und spitze, in der Seitenansicht sigmoidal gekrümmte Krone ist labial nur leicht konvex und wird beidseitig von einer deutlich ausgebildeten Schneide flankiert. Sie reicht fast immer bis zur Kronenbasis. Der Zahnschmelz setzt sich als schmale Leiste auf den Wurzelästen fort. Ihr entspringen mesial und distal nicht sehr hohe, jedoch spitze und mit scharfen Schneiden versehene Seitenspitzen mit leicht lingualer Neigung, die in den meisten Fällen von je einem kleinen, fast rudimentären Nebenspitzchen begleitet werden. Die Lingualseite der Krone hat häufig unmittelbar über dem Basalrand der eine für diese Art charakteristische abgeplattete Fläche. Der Zahnschmelz zeigt bei genauer Betrachtung lingual immer eine unregelmäßig vernetzte, vertikal verlaufende Schmelzstreifung, die die Kronenspitze nicht ganz erreicht. Die Wurzel ist hoch und hat zwei mäßig stark auseinander laufende, schlanke, V-förmige Wurzeläste. Lingual springt die Wurzelprotuberanz stark hervor. Sie wird von einer medianen Furche geteilt, in der das Zentralforamen liegt.

Carcharias acutissimus (Agassiz, 1843) Fig. 1: anteriorer Zahn, a. lingual. b. im Profil. c. labial. x 2,1 Fig. 2: anteriorer Zahn mit stark erodierten Wurzelästen, a. im Profil. b. labial. c. lingual. x 2,1 Fig. 3: Lateralzahn, Unterkiefer, a. labial. b. lingual. x 2,1 Fig. 4: Lateralzahn, Oberkiefer, a. lingual. b. labial. x 2,1

Die lateralen Zähne des Ober- und Unterkiefers unterscheiden sich durch die Form und die Stellung der Zahnkrone. Sie ist im Unterkiefer sehr schlank, gerade aufgerichtet und lingual stark konvex gekrümmt. Im Oberkiefer ist die Basis der Zahnkrone verbreitert, so dass sie eine mehr dreieckige Umrissform erhält. Sie ist immer nach distal geneigt und lingual deutlich flacher als bei den Unterkieferzähnen. Die typische Schmelzstreifung auf der Kroneninnenseite ist in beiden Zahnserien vorhanden. Die Wurzel ist nicht so hoch wie bei den anterioren Zähnen. Je weiter die Zähne zum Mundwinkel hin orientiert sind, desto stärker divergieren die beiden Wurzeläste. Sie werden beidseitig von einer Schmelzleiste bedeckt, aus der unterschiedlich ausgebildete Lateraldentikel entspringen. Sie sind bei den vorderen Zähnen niedrig und breit dreieckig. Bei den weiter nach distal gestellten Zähen sind sie spitz und hoch mit einem kleinen Nebenspitzchen, oder es bilden sich am Basalrand der Schneide mehrere kleine eng verwachsene Dentikelansätze aus, so dass die Schneide wie gezähnelt erscheint.

Bei den Mundwinkelzähnen ist die Zahnkrone nur rudimentär als kleiner „Hügel“ entwickelt. Sie setzt sich mesial und distal in breiten, undifferenzierten Nebenspitzen oder einer talonartigen Aufwölbung des Schmelzes fort. Labial tritt an der Kronenbasis ein durch vertikale Schmelzfalten gekerbter Basalsims hervor. Die im Vergleich zur Krone sehr hohe Wurzel zeigt eine gleichmäßig konkav gekrümmte Wurzelfläche, die sich aus der Verschmelzung der beiden Wurzeläste ableiten lässt. Lingual ist eine kräftige Wurzelprotuberanz und eine stark eingefräste Basalfurche entwickelt.

Carcharias acutissimus (Agassiz, 1843) Fig. 1: Parasymphysenzahn des Unterkiefers, a. labial. b. im Profil. x 4,2 Fig. 2: Intermediärzahn, Oberkiefer, a. lingual. b. labial. x 4,2 Fig. 3: Intermediärzahn, Oberkiefer, a. labial. b. lingual. x 4,2 Fig. 4: Lateralzahn, Oberkiefer, a. labial. b. lingual. x 4,2 Fig. 5: Lateralzahn, Oberkiefer, a. lingual. b. labial. x 4,2 Fig. 6: Lateralzahn, Unterkiefer, a. lingual. b. labial. x 4,2 Fig. 7: Mundwinkelzahn, a. labial b. im Profil. x 10 Fig. 8: Mundwinkelzahn, a. lingual. b. labial. x 10 Fig. 9: Mundwinkelzahn, a. labial b. lingual. x 10

Die Zähne aus dem Symphysenbereich des Unterkiefers (Fig. 1) sind klein und in ihrer Gesamtanlage plump und massiv gebaut. Die lingual geneigte Krone ist niedrig und an der Kronenbasis im Querschnitt fast kreisrund mit stumpfen mesialen und distalen Schneiden. Die Nebenspitzen sind oft nur rudimentär entwickelt. Lingual ragt die Wurzelwölbung sehr kräftig hervor. Die Wurzeläste sind kurz, divergieren nur schwach oder sind zu einer einheitlichen Fläche verwachsen. Bei diesem Zahntyp treten sehr häufig Wachstumsanomalien auf.

Die intermediären Zähne erreichen in etwa die Größe der Parasymphysenzähne. Von ihnen unterscheiden sie sich jedoch durch ihre bedeutend schlankere, stark nach distal geneigte, flache Zahnkrone, ihren recht hohen Nebenspitzen und den asymmetrisch auseinander laufenden, ungleich langen Wurzelästen.

Verbreitung (geografisch/stratigraphisch) in der Molasse:

Deutschland:

Kiscellian:

Eggenburgium:

  • Meierhof, Bayern (Sammlung J. Pollerspöck)

Ottnangium:

  • Walbertsweiler, Baden-Württemberg (Barthelt et al. 1991, Sach 2016, Sammlung Unger, Bracher)
  • Ursendorf, Baden-Württemberg (Höltke 2014, Sammlung Unger)
  • Rengetsweiler, Baden-Württemberg (Sammlung Unger)
  • Baltringen, Baden-Württemberg (Probst 1978Sach 2016)
  • Ballendorf, Baden-Württemberg (Sammlung Bracher)
  • Ermingen (Hochsträß), Baden-Württemberg (Baier et al. 2004)
  • Eggingen-Mittelhart, Baden-Württemberg (Sach 2016)
  • Altheim, Baden-Württemberg, Sandgrube, etwa 1,5 Kilometer östlich (Sach 2016)
  • Ringingen, Baden-Württemberg, (Sach 2016)
  • Baggersee an der Iller unmittelbar westlich bis südwestlich der Ortschaft Freudenegg bei Senden, Baden-Württemberg, (Sach 2016)
  • Heigelsberger Graben, Bayern (Pollerspöck & Beaury 2014)
  • Mitterdorf, Bayern (Pollerspöck & Straube 2017)
  • Holzbach, Bayern (Sammlung J. Pollerspöck)
  • Höch, Bayern (Sammlung J. Pollerspöck)
  • Simssee, Bayern (Sammlung P. Kiermeier)
  • Baltenstein, Allgäu, Bayern (Scholz & Bienerth, 1992)

Österreich:

Egerium:

Eggenburgium:

Ottnangium:

Karpatium:

Badenium:

Schweiz – Frankreich

in Vorbereitung

Vorkommen außerhalb der Molasse:

Nordsee-Becken, Wiener Becken, Mittelmeerraum, Atlantische Provinz, USA, Kongo, Angola, Marokko (Schultz & Piller 2013)

Literaturliste (in Zusammenarbeit mit www.shark-references.com):