Hemipristis serra

Ordnung: Carcharhiniformes Compagno, 1977    Grundhaiartige

Familie: Hemigaleidae Hasse 1878

Gattung: Hemipristis Agassiz, 1835 [1843]

Anmerkung: Hemipristis ist die einzige rezente Haigattung, die zuerst an Hand von fossilen Einzelzähnen nachgewiesen wurde. Fast 30 Jahre nach der Erstbeschreibung durch Agassiz (1843) hat der deutsche Haiforscher Klunzinger (1871) im Roten Meer eine neue Haiart entdeckt, die er unter der Bezeichnung Dirrhizodon elongatus publizierte. Schon Probst (1878) erkannte, dass die Zähne dieser rezenten Art in naher Formverwandtschaft zu der fossilen Gattung Hemipristis stehen. Bei der Beschreibung seiner Funde aus Baltringen setzte er sie daher als wichtiges Vergleichsmaterial ein, wobei er entscheidende neue Erkenntnisse zur Heterodontie der fossilen Haiart gewinnen konnte. Er schreibt dazu: „Die vordersten Zähne mit den Zahnformen in Verbindung zu bringen, welche den Typus von Hemipristis tragen, und als solche zu erkennen, war ohne das lebende Tier vergleichen zu können, unmöglich, weil sie zu sehr abweichend gebaut sind“ (Probst, 1878). Schließlich wurde bei der systematischen Überarbeitung der Haie durch Compagno (1984) Dirrhizodon synonym mit Hemipristis gesetzt.

Typusart : †Hemipristis serra Agassiz, 1835 [1843]

Hemipristis elongata (KLUNZINGER, 1871), © FAO, www.fish-base.org
Hemipristis elongata (KLUNZINGER, 1871), Unterkiefer © Jürgen Pollerspöck, www.shark-references.com
Hemipristis elongata (KLUNZINGER, 1871), Unterkiefer © Jürgen Pollerspöck, www.shark-references.com
Hemipristis elongata (KLUNZINGER, 1871), Oberkiefer © Jürgen Pollerspöck, www.shark-references.com
Hemipristis elongata (KLUNZINGER, 1871), Oberkiefer © Jürgen Pollerspöck, www.shark-references.com

Hemipristis serra Agassiz, 1835 [1843]

Syntypenverschollen? Tübingen? (Fig. 18-30, Tafel 27 Agassiz, 1835 [1843])

Typlokalität und Stratum typicum: lt. Agassiz verschiedene Orte

Synonyme: Carcharias morricei Jordan & Beal, 1913, Hemipristis morricei (Jordan & Beal, 1913), Xiphodolamia morricei (Jordan & Beal, 1913), Carcharias ungulatus (Münster, 1846), Carcharias (Hennigia) ungulatus (Münster, 1846), Carcharias (Prionodon) ungulatus (Münster, 1846), Glyphis ungulata (Münster, 1846), Hemipristis ungulatus (Münster, 1846), Carcharius feddeni Tewari, Chaturvedi & Singh, 1960, Hemipristis feddeni (Tewari, Chaturvedi & Singh, 1960), Glyphis scacchii Gemmellaro, 1857,  Hemipristis crenulatus Emmons, 1858, Galeorhinus hannibali Jordan & Beal, 1913, Hemipristis hannibali (Jordan & Beal, 1913), Hemipristis heteropleurus Agassiz, 1856, Hemipristis klunzingeri Probst, 1878, Hemipristis minutus Costa, 1856,  Hemipristis paucidens Agassiz, 1843, Hemipristis sacheri (Sauvage, 1875), Odontaspis sacheri Sauvage, 1875, Hemipristis serra maxima White, 1927, Hemipristis serra serra Agassiz, 1843, Hemipristis simplex Murray, 1889, Hemipristis sureshi Mehrotra, Mishra & Srivastava, 1973,  

Text der Erstbeschreibung: Agassiz, 1835 [1843] Seite 237 

Hemipristis serra Agassiz, 1835 [1843] © ETH-Bibliothek Zürich, Alte Drucke
Maximalgröße: h: bis 35 mm

Beschreibung: Zwischen den Ober- und Unterkieferzähnen gibt es große Formunterschiede (=dignathe Heterodontie), die sich auch innerhalb der einzelnen Zahnserien feststellen lassen (= gradient-monognathe Heterodontie).

Hemipristis serra, labial, H = 24 mm, B = 22+ mm, Walbertsweiler, Ottnangium, Obere Meeresmolasse, Sammlung Dr. Volker Sach, Sigmaringen, Foto: Dr. Thomas Reinecke

Die arttypischen Lateralzähne des Oberkiefers haben eine breite, auf der Lingualseite flach gewölbte, dreieckige Zahnkrone mit schwacher distaler Neigung, die im oberen Kronenbereich jedoch verstärkt wird. Der Mesialrand der Schneide entspringt einem niederen, undeutlich entwickelten „Talon“ und ist über die ganze Kronenhöhe hin gleichmäßig konvex gekrümmt und gezähnelt. Diese Zähnelung nimmt zur Zahnspitze hin kontinuierlich an Größe zu, ohne den apikalen Bereich der Krone selbst zu erreichen. Während sie über den gesamten Verlauf annähernd senkrecht zum Kronenrand ausgerichtet ist, weichen die letzten und größten Zäckchen davon ab und sind in einem steilen Winkel nach oben gestellt. Auch die stark konkav gebogene, distale Schneide weist eine grobe Zähnelung auf, die, mit kleinen Zäckchen beginnend, zur Zahnspitze hin mit großen, scharfen und schräg gestellten Zacken unmittelbar unter der Spitze endet. Die Kronen der anterioren Oberkieferzähne sind viel schlanker und schmaler, stimmen im Übrigen jedoch mit den wesentlichen Merkmalen der Lateralzähne überein. Bei distalen Zähnen ist die mesiale Schneide stärker konvex gebogen und die distale Neigung der Krone ist noch ausgeprägter vorhanden. Bei diesen Zähen reicht die Kronenspitze oft über den distalen Rand des Zahnes hinaus.

Die Wurzel der Lateralzähne ist nieder; die flachen Wurzeläste streben auseinander. Der Wurzelvorsprung (= linguale Protuberanz) auf der Innenseite tritt weit hervor und wird von einem tief eingeschnittenen Nährkanal durchzogen, in dem die Öffnung des Zentralforamens zu erkennen ist.

Hemipristis serra, anteriorer Zahn des Ober- und Unterkiefers, lingual, Sammlung Bracher

Die anterioren Zähne des Unterkiefers besitzen eine hohe, spitze und sehr massiv gebaute, schmale Zahnkrone mit leicht sigmoidaler Krümmung nach lingual. Sie ist auf der Lingualseite sehr stark, auf der Labialseite weniger stark gewölbt. Die mesiale und distale, absolut glatte und scharfe Schneide ist nur im oberen Drittel der Zahnkrone entwickelt. An der Kronenbasis können sehr kleine und spitze Lateraldentikel auftreten. Bei den vorderen Lateralzähnen des Unterkiefers sind die Schneiden über die gesamte Kronenhöhe entwickelt, und tragen im unteren Teil eine Zähnelung. Ihre Wurzel besteht aus zwei schmalen Wurzelästen und hat auf der Innenseite eine extrem stark herausgewölbte linguale Wurzelprotuberanz. Der Verlauf der Nährkanals ist als flache Rille nur schwach angedeutet und das große Zentralforamen gut entwickelt.

Hemipristis serra, Symphysenzahn, lingual und im Profil, Sammlung Bracher
Hemipristis serra Agassiz, 1835 [1843]; SNSB-BSPG 2013 X 9: Höhe: 12,7+ mm; Breite: 12,7+ mm; a) lingual b) labial; Tafel 1 Fig. 5, Ottnangium, Heigelsbergergraben bei Teisendorf, Pollerspöck & Beaury, 2014

Verbreitung (geografisch/stratigraphisch) in der Molasse:

Deutschland:

Ottnangium:

Österreich:

Eggenburgium:

Ottnangium:

Badenium:

Frankreich, Schweiz, u.a. – Miozän:

  • in Vorbereitung

Vorkommen außerhalb der Molasse:

Weltweit verbreitet während des Miozäns bis Pliozän (Cappetta 2012)

 

Literaturliste (in Zusammenarbeit mit www.shark-references.com):