Araloselachus cuspidatus

Ordnung: Lamniformes Berg, 1937     Makrelenhaiartige

Familie: Odontaspididae  Müller & Henle, 1839

Gattung: Araloselachus Glikman, 1964

Typusart :  Araloselachus agespensis Glikman, 1964

Araloselachus cuspidatu(Agassiz, 1843)

Syntypen: 

FOS 527-2 (Tafel 37a, Fig. 43)
FOS 527-3 (Tafel 37a, Fig. 44 + 45)
FOS 526 (Tafel 37a, Fig. 47)
FOS 635a (Tafel 37a, Fig. 49)
Muséum d’histoire naturelle de Neuchâtel, 14, rue des Terreaux, CH-2000 Neuchâtel
Tafel 37a, Fig. 46, 48, 50: verschollen (?)

Typlokalität und Stratum typicumunbekannt (Molasse der Schweiz? Figur 43-47 bzw. Nähe des Rheinufers, Figur 48-50)

Synonyme: Borealotodus karpinskii (Menner, 1928), Jaekelotodus karpinskii (Menner, 1928), Lamna karpinskii Menner, 1928, Mennerotodus karpinsky (Menner, 1928), Carcharias cuspidata (Agassiz, 1843), Carcharias (Odontaspis) cuspidata (Agassiz, 1843), Carcharias (Synodontaspis) cuspidata (Agassiz, 1843), Eugomphodus cuspidatus (Agassiz, 1843), Lamna cuspidata Agassiz, 1843, Lamna (Odontaspis) cuspidata Agassiz, 1843, Odontaspis cuspidata (Agassiz, 1843), Odontaspis (Synodontaspis) cuspidata (Agassiz, 1843), Odontaspis (Synodontaspis) cuspidata cuspidata (Agassiz, 1843), Synodontaspis cuspidata (Agassiz, 1843), Synodontaspis (Synodontaspis) cuspidata cuspidata (Agassiz, 1843), Carcharias denticulata (Agassiz, 1843), Lamna denticulata Agassiz, 1843, Odontaspis denticulata (Agassiz, 1843), Lamna (Odontaspis) macrota hungarica Koch, 1904, Otodus serotinus Probst, 1879

Text der Erstbeschreibung: Agassiz, 1843 Seite 290 

Original Abbildungen zu †Lamna cuspidata Agassiz, 1843 Tafel 37a, Fig. 43-50

Text der Beschreibung von Probst, 1879 Seite 149-150

Original Abbildungen zu †Lamna (odontaspis) cuspidata Ag. Tafel Il. Figur 59-63
Originale zu den Abbildungen von Probst, 1879: a: Tafel 2 Figur 59; b: Tafel 2 Figur 62; c: Tafel 2 Figur 61; d und e stammen aus der Probst-Sammlung des Braith-Mali Museums in Bieberach: Photo: T. Reinecke, Bochum

Größe: h: – 40mm

Araloselachus cuspidatus ist neben Carcharias acutissimus die am häufigsten vertretene Haiart in den miozänen Molassefundstellen. Die Zahntypen sind bei beiden Arten nahe verwandt; gleiches gilt auch für die Heterodontie innerhalb der Zahnserie von Ober- und Unterkiefer. Trotzdem gibt es eindeutige Merkmalsunterschiede zwischen beiden Arten.

Beschreibung: 

Die Zähne von Araloselachus cuspidatus sind deutlich größer und wirken in ihrer Gesamterscheinung kräftiger als diejenigen von Carcharias acutissimus. Bei den anterioren Zähnen ist die Zahnkrone schmal und hoch. Sie ist nur leicht sigmoidal gekrümmt. Ihre Außenseite ist ziemlich flach oder nur schwach konkav gewölbt. Die Schneidkanten sind scharf. Sie erreichen teilweise nicht die Basis der Zahnkrone.

Auf der stark gewölbten Lingualseite ist der Zahnschmelz immer absolut  glatt. Die Wurzeläste sind V-förmig angelegt und daher ziemlich symmetrisch gebaut. Die Wurzelprotuberanz ist stark ausgeprägt. Die Lateraldentikel entspringen dem basalen Zahnschmelz und sind relativ spitz, klein und nach lingual gebogen, wirken jedoch plumper als die von Carcharias acutissimus.

Araloselachus cuspidatus (Agassiz, 1843), Fig. 1 : Symphysenzahn des Unterkiefers, a. lingual. b. im Profil. c. labial. d. distal. x 2,1; Fig. 2 : Intermediärzahn aus dem Oberkiefer, a. lingual. b. distal. x 2,1; Fig. 3 : Lateralzahn aus dem Unterkiefer, a. lingual. b. labial. x 2,1; Fig. 4 : Lateralzahn des Oberkiefers, a. lingual b. labial x 2,1; Fig. 5 : Anteriorer Zahn, a. labial. b. im Profil. c. lingual. x 2,1; Fig. 6 : Lateralzahn aus dem lateralen Bereich des Oberkiefers, a. lingual. b. labial. x 2,1

Die Krone der anterioren Zähne ist an der Basis breit dreieckig und hoch aufgeschossen. Ihre Labialseite ist flach und auch die Lingualseite nur mäßig konkav gewölbt. Sie ist je nach Stellung im Unter-  bzw. Oberkiefer wie bei Carcharias acutissimus entweder gerade aufgerichtet oder nach distal geneigt. Die scharfe Schneide dieser Zähne reicht bis zu der Schmelzleiste über den Wurzelästen und setzt sich dort in den breit ausladenden, niedrigen mesialen und distalen Seitenzähnchen fort. Besonders bei den Oberkieferzähnen spalten sich diese oft in mehrere kleine Nebenspitzchen auf, so dass der Schmelzrand wie gesägt erscheint.

Sowohl die Symphysen- wie auch die Intermediär- und Mundwinkelzähne tragen keine zusätzlichen artspezifischen Merkmale, die sie in jedem Fall zweifelsfrei von Carcharias acutissima abheben würden. Zur sicheren Unterscheidung tragen nur die Größe und die glatte Schmelzfläche auf der Lingualseite bei.

Anmerkung: Reinecke et al. 2011 und Bor et al. 2012 weisen darauf hin, dass in der Molasse im Zeitraum Chattium bis Burdigalium neben der oben beschriebenen Art eine weiter Art dieser Gattung (Araloselachus vorax (Le Hon, 1871)) vorkommt.  Bis zur Revision der Gattung, die Serien vollständigen Belegmaterials (mit Zähnen aus allen Reihen des Unter- und Oberkiefers) aus verschiedenen Stufen des Chattiums und Unteren Miozäns (Oberes Egerium, Eggenburgium, Ottnangium) voraussetzt, muss die Bestimmung dieser Art als vorläufig angesehen werden.

Verbreitung (geografisch/stratigraphisch) in der Molasse:

Deutschland:

Egerium:

Ottnangium:

  • Walbertsweiler, Baden-Württemberg (Barthelt et al. 1991, Sach 2016, Sammlung Unger, Bracher)
  • Ursendorf, Baden-Württemberg (Höltke 2014, Sammlung Unger)
  • Rengetsweiler, Baden-Württemberg (Sammlung Unger)
  • Baltringen, Baden-Württemberg (Probst 1879Sach 2016)
  • Ballendorf, Baden-Württemberg (Sammlung Bracher)
  • Ermingen (Hochsträß), Baden-Württemberg (Baier et al. 2004)
  • Eggingen-Mittelhart, Baden-Württemberg (Sach 2016)
  • Altheim, Baden-Württemberg, Sandgrube, etwa 1,5 Kilometer östlich (Sach 2016)
  • Iller-Steilhang bei Unter- und Oberkirchberg, Baden-Württemberg, (Sach 2016)
  • Höch, Bayern (Sammlung J. Pollerspöck)
  • Simssee, Bayern (Sammlung P. Kiermeier)
  • Baltenstein, Allgäu, Bayern (Scholz & Bienerth, 1992)
  • Steinbrüche bei Tannen, Allgäu, Bayern (Scholz & Bienerth, 1992)
  • Steinbrüche am Lenzfrieder Höhenrücken, Allgäu, Bayern (Scholz & Bienerth, 1992)

Österreich:

Egerium:

Eggenburgium:

Ottnangium:

Karpatium:

Badenium:

Schweiz – Frankreich

in Vorbereitung

Vorkommen außerhalb der Molasse:

Nordsee-Becken, Wiener Becken, Mittelmeerraum, Atlantische Provinz, Nordamerika, Asien, Afrika (Schultz & Piller 2013)

Literaturliste (in Zusammenarbeit mit www.shark-references.com):