Apristurus sp.

Ordnung: Carcharhiniformes Compagno, 1977    Grundhaiartige

Familie: Pentanchidae Smith, 1912

Taxonomische Bemerkung zur Familie Scyliorhinidae/Pentanchidae: Kürzliche durchgeführte phylogenetische Untersuchungen basierend auf DNA-Sequenz-Daten zeigten, dass die Familie Scyliorhinidae polyphyletisch ist. Iglésias et al. (2005) haben daraufhin die Familie Pentanchidae Smith, 1912 wieder für gültig erklärt. Diese Familie umfasst hierbei die Gattungen Apristurus, Asymbolus, CephalurusGaleus, Halaelurus, Haploblepharus, HolohalaelurusParmaturus und Pentanchus. Später teilten Naylor et al. (2012) aufgrund ihrer Untersuchungen die Gattungen der beiden Familien in die drei folgenden monophyletischen Claden ein:

  • Scyliorhinidae I mit den Gattungen ApristurusGaleus, Asymbolus, Figaro, Bythaelurus, HalaelurusHaploblepharus, Holohalaelurus und Parmaturus;
  • Scyliorhinidae II mit den Gattungen Atelomycterus, Aulohalaelurus,
    Schroederichthys and Parmaturus;
  • Scyliorhinidae III mit den Gattungen Cephaloscyllium, Poroderma,
    und Scyliorhinus.

 

Gattung: Apristurus Garman, 1913

Typusart : Scylliorhinus indicus Brauer, 1906

Apristurus indicus (BRAUER, 1906), Abbildung der Erstbeschreibung

Apristurus sp.

Maximalgröße: H: bis 0,6 mm B: bis 1,0 mm

Apristurus sp., Maßstab: 200 μm, Mitterdorf, Neuhofener Schichten, Obere Meeresmolasse, Ottnangium

Beschreibung: Zähne der Gattung Apristurus weisen in der Labialansicht die für diese und weitere scyliorhinide Gattungen (z.B. Galeus, Haploblepharus, Holohalaelurus, Halaelurus) typische „dachziegelartige Struktur“ entlang der ganzen Zahnbasis auf. An der labialen Kronenbasis beginnen 1-3 deutliche, kantige Schmelzfalten, die bei den distalen Seitenspitzen fast bis zur Spitze reichen, bei der Hauptspitze und den mesialen Seitenspitzen die Kronenspitze normalerweise nicht erreichen. Zusätzlich zu diesen Streifen treten noch vereinzelte Streifen auf, die erst deutlich über der Kronenbasis beginnen. Die Hauptspitze ist bei den lateralen Zähnen stark, bei den anterioren Zähnen schwach nach distal geneigt und labial nur schwach konvex gewölbt. In der Lingualansicht fehlt die labial vorhandene Ornamentation (dachziegelartige Struktur) völlig bzw. ist nur in einigen wenigen Bögen, insbesondere im Bereich der Nebenspitzen vorhanden. Die deutliche und kantige Streifung beginnt hier im unteren Drittel der Zähne und besteht insbesondere bei der Hauptspitze aus mehreren Streifen unterschiedlicher Länge. Die äußersten mesialen und distalen Nebenspitzen sind deutlich weniger gestreift bzw. können die Streifen sogar fehlen. Die Hauptspitze und alle Nebenspitzen sind lingual deutlich und stark konvex gewölbt. Auffallend ist die äußerst dünne und breite Schneidekante der Krone, insbesondere bei den lateralen bzw. lateral-posterioren Zähnen. Diese Schneidekante, ist an der Basis der Spitze schmal, nimmt bis zur Mitte der Spitze deutlich an Breite zu und läuft bis zur Kronenspitze wieder gleichmäßig aus. Dadurch wirken die Spitzen in der Mitte wie abgeknickt. Dieser dünne Rand ist aufgrund mechanischer Beanspruchung oftmals beschädigt und erscheint deshalb „ausgefranst“.

Apristurus sp., Maßstab: 200 μm, Mitterdorf, Neuhofener Schichten, Obere Meeresmolasse, Ottnangium

Mesial sind zwei bis drei Seitenspitzen vorhanden, die bei anterioren Zähnen bis maximal zur Mitte reichen, bei lateralen und posterioren Zähnen aufgrund der Neigung der Hauptspitze mesial bis deutlich über die Mitte der Hauptspitze reichen.

Die zwei-lobige, typische scyliorhinide Wurzel reicht lingual weit nach oben. Die beiden Wurzelloben bilden einen spitzen Winkel. Die linguale Wurzelprotuberanz weist mittig ein großes zentrales Foramina auf.

Taxonomische Bemerkung:

Molekular phylogenetische Untersuchungen der vergangenen Jahre (z. B. Iglésias et al. (2005), Human et al. 2006) habe die enge Verwandtschaft von Galeus und Apristurus (sister group) bestätigt. Marsili (2007) beschreibt einen fossilen Zahn der Gattung Apristurus aus pleistozänen Sedimenten Italiens. Er beschreibt in dieser Arbeit die zahnmorphologischen Unterschiede zwischen den Gattungen Apristurus und Galeus und stellt fest, dass die beiden Gattungen anhand der Streifung der Hauptspitze und der unterschiedlichen Ausprägung eines basalen Wurzelkanals unterschieden werden können. Dabei berücksichtigt er jedoch nicht, dass sich diese Unterschiede auf die Artbeschreibungen von Apristurus laurussonii und Galeus melastomus beziehen und keine allgemein gültigen Gattungsunterschiede darstellen (Herman et al. 1990).

Folgt man Herman et al. 1990 (Seite 191, 192) unterscheiden sich die beiden Gattungen grundsätzlich nur durch die unterschiedliche Neigung der Hauptspitze (bei Apristurus in der Regel stärker nach distal geneigt), die Zahl der Nebenspitzen (bei Apristurus zwei bis drei Nebenspitzen) und die Größe der zweiten Nebenspitze (bei Apristurus zweite Nebenspitze besser entwickelt).

Die Gattung Apristurus, von der derzeit 39 gültige Arten bekannt sind (siehe www.shark-references.com), ist im Mittelmeer rezent nicht heimisch. Von den sechs im Nord-Atlantik vorkommenden Arten von Apristurus werden zwei der sogenannten „brunneus“-Gruppe (A. laurussonii, A. melanoasper) und vier der „spongiceps“-Gruppe (A. microps, A. manis, A. aphyodes und A. profundorum) Gruppe zugerechnet (Ebert & Stehmann 2013).

Die Gattung Apristurus ist, mit Ausnahme der Polarregionen, weltweit an den Kontinentalhängen bzw. unterseeischen Erhebungen in Tiefen von 400-2000 m beheimatet (Nakaya et al. 2008).

Detaillierte zahnmorphologische Beschreibungen liegen bisher lediglich von A. laurussonii (Herman et al. 1990) vor. Herman et al. 1990 standen für ihre Untersuchungen lediglich Exemplare von drei verschiedenen Arten (A. laurussonii, A. maderensis, A. analis) zur Verfügung. Ohne die genaue Kenntnis der artspezifischen Merkmale der anderen heute noch lebenden Arten ist eine Gattungs- bzw. Artdiagnose nur eingeschränkt bzw. gar nicht möglich. Aus diesem Grund wurden die Zähne bei Pollerspöck & Straube, 2017 keiner Art zugewiesen.

 

Verbreitung (geografisch/stratigraphisch) in der Molasse:

Deutschland:

Ottnangium:

Vorkommen außerhalb der Molasse:

Fiumefreddo, Sizilien, Italien (Marsili 2007)

Literaturliste (in Zusammenarbeit mit www.shark-references.com):