Ordnung: Squaliformes Goodrich, 1909 Dornhaiartige
Familie: Dalatiidae Gray, 1851
Gattung: Dracipinna Pollerspöck & Straube, 2021
Typusart: †Dracipinna bracheri Pollerspöck & Straube, 2021
Holotypus: Naturhistorisches Museum Wien (NHMW): seitlicher Unterkieferzahn, Sammlungsnummer 2020/0001/0024

Paratypen: NHMW: 2020/0001/0002 (vorderer Oberkieferzahn); NHMW: 2020/0001/0007 (posteriorer Oberkieferzahn); NHMW: 2020/0001/0008 (Mundwinkelzahn des Oberkiefers); NHMW: 2020/0001/0009 (Mundwinkelzahn des Oberkiefers); NHMW: 2020/0001/0018 (Symphysenzahn des Unterkiefers); NHMW: 2020/0001/00026 (Mundwinkelzahn des Unterkiefers), die folgenden Bilder entsprechen der angegebenen Reihenfolge der Paratypen).






Typlokalität und Stratum typicum: Wallern, Gemeinde Holz, Oberösterreich, Ebelsberg Formation, oberes Egerium, Aquitanium, Miozän.
Synonyme: Bracheria wallernensis, Bracheria wallerniensis (nomina nuda)
Text der Erstbeschreibung: The most frequent dentition in extant squaliform sharks is dignathic heterodont. We conclude that a strongly developed dignathic heterodonty as well as a disjunct monognathic heterodonty was present in the genus, but weaker than in other members of the clade. Upper jaw teeth are single-cusped; cusp (with exception of posterior or commissural teeth) slender, erected, nearly symmetrical, biconvex and comprising nearly two-thirds of tooth height; cutting edges always of different lengths, mesial always shorter than distal, never reaches the base of the cusp; posterior or commissural teeth strongly inclined distally with a low distal heel and straight mesial cutting edge; no ornamentation present; no apron present; labial usually no ridges at the base of the cusp; two root lobes, root low with short and rounded lobes, one central lingual foramen present, labial several foramina present. The teeth strongly resemble upper jaw teeth of extant dalatiid species. In contrast to the upper jaw teeth, lower jaw teeth are labiolingually compressed and show areas of overlap onto former neighbouring teeth; they are single cusped, with the exception of posterior or commissural teeth, broad, erected, convex mesial and strongly concave distal, continuous cutting edges, low straight or upturned distal heel present, distal cutting edge divided from distal heel by a notch, posterior or commissural teeth strongly inclined distally with a low distal heel and concave mesial cutting edge; no ornamentation present; no serration present, lingual base of enameloid straight, labial base of enameloid wavy, rectangular root, lingual basal groove absent, lingually one central foramen present, distally one large central foramen and several smaller foramina present, overlapping area to adjacent teeth present.
Maximalgröße: h = < 3 mm, b = < 3 mm.
Beschreibung:
Diese Gattung besitzt das typische „Pflasterzahngebiss“ vieler Rochen, bei dem die Einzelzähne wabenförmig zu einer geschlossenen Kauplatte zusammengefügt sind. Je nach Stellung im Gebiss variieren die Zähne in ihrer Größe sehr stark, in der Plattenmitte sind sie bis zu 40 mm breit und messen an den seitlichen Rändern teilweise deutlich unter 5 mm (siehe oben rezentes Gebiss von Rhinoptera bonasus (Mitchill, 1815)). Die Einzelzähne ähneln denen der Myliobatidae (Gattungen: Myliobatis, Aetomylaeus und Pteromylaeus). Sie zeigen sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer einen hexagonalen Umriss und werden von mehreren lateralen, immer kürzer werdenden Zähnen flankiert. Die Kaufläche ist in der Regel glatt, lingual fehlt ein basaler lingualer Kronenabsatz zwischen der Kaufläche und der Wurzel, die Krone nimmt nach distal an Höhe ab.

Bemerkungen:
Aus der Molasse sind bisher zwei Arten der Gattung Rhinoptera beschrieben worden:
- Rhinoptera studeri (Agassiz, 1843)
- Rhinoptera schultzi Hiden, 1995
Rhinoptera schultzi unterscheidet sich von Rhinoptera studeri durch „die geringere Dicke der Zahnkrone sowie durch das völlige Fehlen einer Riefung auf lingualer und labialer Kronenseite“ (Hiden, 1995). Neben den drei Zähnen, die Hiden zur Verfügung hatte, wurden bis heute nur mehr wenige Nachweise dieser Art publiziert. Reinecke & Radwański (2015) bilden Zähne aus dem Badenium von Polen ab, die sie aufgrund des regelmäßigen sechseckigen Umrisses in der Okklusalansicht, einer in Bezug auf die Krone nur sehr geringfügig nach lingual verschoben Wurzel und das Fehlen basalen Kronenabsatzes an der lingualen Kronenbasis dieser Art zuweisen.
Szabó et al. (2017) beschreiben aus dem Oligozän von Ungarn einen sehr schlecht erhaltenen Zahn (Fig. 9n-q), den sie ebenfalls zu Rhinoptera schultzi stellen. Der Zahn ist sehr stark abgerollt, morphologische Details, die eine sichere Bestimmung auf Gattungs- oder Artniveau ermöglichen, sind nicht erkennbar. Nach unserer Auffassung kann der Zahn lediglich als ?Rhinoptera sp. angesprochen werden.
Vier Jahre später bilden Szabó et al. (2021) einen weiteren vermeintlichen Zahn dieser Art aus dem Miozän von Ungarn ab (Tafel 9 U–I’). Auch dieser Zahn ist stark abgerollt und schlecht erhalten. Außerdem weist er entgegen der Artdiagnose eine sehr hohe Zahnkrone auf.
Zusammenfassend muss festgestellt werden, das die bisher dokumentierten Funde von Rhinoptera schultzi nicht ausreichen, um die Gültigkeit dieser Art zu bestätigen. Wir schließen uns deshalb hier der Auffassung von Schultz (2013) an, der die Art als Synonym von Rhinoptera studeri ansieht („Ich halte die Merkmale, die Hiden 1995 zur Aufstellung der neuen Art schultzi heranzieht, für problematisch, weil u. a. die ontogenetische Entwicklung und auch der Abkauungsprozess der Zahnplatten nicht berücksichtigt wird. Die Zuordnung zu studeri erscheint daher angezeigt.“ Schultz (2013)).
Herman et al. (2000, S. 22) bemerkten in ihrer Beschreibung der Zähne der rezenten Art Rhinoptera marginata Geoffroy St. Hilaire, 1817, dass ein basaler lingualer Absatz (Vorsprung nach Hiden) fehlt, die labialen und lingualen Kronenflächen nicht ornamentiert sind und die Wurzel im Verhältnis zur Krone nur leicht nach lingual verschoben ist. Außerdem nimmt die Kronenhöhe der lateralen (seitlichen) Rhinoptera-Zähne in der Regel vom mesialen zum distalen Rand hin ab (Cappetta, 2012, Seite 454). Dieses Merkmal ist auch bei medialen Zähne erkennbar. Bei diesen Zähnen ist die Krone in der Mitte des Zahnes am dicksten, und nimmt zu beiden Seiten hin ab (siehe Tafel 31, Herman et al., 2000).
Rezent sind aktuell 18 Arten bekannt (Stand: 05/2023, Pollerspöck & Straube, 2023, https://shark-references.com/species/listByGenus/864). Bis heute gibt es keine detaillierten Untersuchungen, die es ermöglichen, einzelne Arten dieser Gattung anhand von isoliert gefundenen Einzelzähnen zu unterscheiden. Ob sich die miozänen Funde dieser Gattung alle einer Art zuordnen lassen, oder ob es sich um mehrere Arten handelt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht geklärt werden.
Verbreitung (geografisch/stratigraphisch) in der Molasse:
Deutschland:
- Äpfingen, Baden-Württemberg (Höltke et al. 2022)
- Baltringen, Baden-Württemberg (Probst 1879, Sach 2016, Pollerspöck & Unger, 2022)
- Ballendorf, Baden-Württemberg (Bracher 2000)
- Ermingen (Hochsträß), Baden-Württemberg (Baier et al. 2004)
- Simssee, Bayern (Villafaña et al. 2020)
- Ursendorf, Baden-Württemberg (Höltke et al. 2020)
- Walbertsweiler, Baden-Württemberg (Barthelt et al. 1991)
Österreich:
- Steinbruch Weissenegg, N Wildon, Steiermark (Hiden, 1995)
Schweiz:
Burdigalium (St.-Gallen-Formation):
- Benken (Leriche 1927, Fischli 1930)
- Roggliswil-Honwald (Sammlung . Lüdi)
Literaturliste (in Zusammenarbeit mit www.shark-references.com):
